Planspiel DDR am 10.2.26

Ein Augenzeugenbericht

Im Rahmen eines DDR-Planspiels, das vom 9.2.-11.2.26 bei uns am HGF im Rahmen des Geschichtsunterrichts der 10. Klassen stattfand, konnten wir in verschiedene Rollen aus der Zeit der DDR schlüpfen und erleben, wie das Leben in einem autoritären Staat gewesen sein könnte.

Dabei wurden unterschiedliche Perspektiven dargestellt- unter anderem die einer jugendlichen Musik-Band, der SED sowie der Stasi. Durch diese verschiedenen Blickwinkel wurde deutlich, wie stark Kontrolle, Überwachung und politische Interessen den Alltag beeinflussen konnten.

Als Band hatten wir erst das Gefühl, dass wir mit unserer Musik etwas bewegen könnten. Doch bevor wir den Song überhaupt schreiben konnten, erhielten wir alle überraschend Studienangebote, und zwar so, dass wir jeweils weit voneinander entfernt waren. Diese gezielte Trennung schien kein Zufall zu sein, denn sie wurde offensichtlich genutzt, um die Band zu spalten. Damals blieb uns kaum eine andere Wahl, wir mussten diese Angebote annehmen, um überhaupt eine Perspektive zu haben. Erst nachdem wir uns alle auseinandergelebt hatten, fanden wir wieder zusammen, um unsere vorsichtige Kritik in einem Song auszudrücken. Doch je näher wir der Aufführung kamen, desto stärker spürten wir den Druck. Die SED griff gezielt nach Schwachstellen, und bei der Befragung wurden wir immer stärker unter Druck gesetzt. Unsere Worte wurden verdreht, und wir wurden als Staatsfeinde dargestellt.

Nachdem die Band durch ihren Song zunehmend in den Fokus der Behörden geraten war, begann sich auch die Staatssicherheit intensiver mit dem Fall zu beschäftigen. Aus Sicht der Stasi wurde das Verhalten der Band als politisch verdächtig eingestuft, weshalb eine weitere Untersuchung und Verhöre durchgeführt wurden.

Auch die SED-Kreisleitung spielte eine entscheidende Rolle in den verstrickenden Machenschaften, um die oppositionelle Stimme der Band zum Schweigen zu bringen. Zu diesem Zweck gingen wir, die in dem Planspiel die Rolle der SED-Leitung einnahmen, sehr strategisch vor und machten uns den in der DDR kleingeschriebenen Datenschutz zunutze.

Jobangebote gehörten unter anderem zu unserem Aufgabenbereich, weshalb es sehr effizient erschien, diese gezielt nach den persönlichen Interessen der Bandmitglieder auszuwählen und sie bei der Gelegenheit auch gleich über das Gebiet der gesamten DDR zu verstreuen. Denn solche Vorgehensweisen waren in der politischen Führungsriege sehr beliebt, um regierungskritische Gruppen zu spalten. Zumindest mussten wir ihnen aber eine regierungskritische Haltung nachweisen, was automatisch zur Auflösung geführt hätte. Anhand der Befragung zu einem Songtext wollten wir genau das durchsetzen und hatten dabei wenig Scheu, der Band ihre Worte im Mund zu verdrehen, vorzugsweise natürlich in eine freigeistige und somit ja auch irgendwie kriminelle Richtung.

Bei der Gruppe der Stasi-Mitglieder wurde uns von Herrn Hillmer einiges über die psychologischen Verhörfähigkeiten der Stasi erzählt, wie beispielsweise das zusammenhangslose, quantitative Fragenstellen, welches den Befragten keine Zeit zum Nachdenken ließ. Wir erfuhren im Allgemeinen viel über die damaligen Überwachungsmethoden und die sogenannte „Zersetzung“, die auf politische, öffentliche und private Gegner angewandt wurde. Im Anschluss daran ermittelten wir über die persönlichen Hintergründe der „Bandmitlgieder“ und wir überlegten, welche Zersetzungsmethoden wir am besten anwenden würden. Das Verhör verlief ganz nach den Beschreibungen vorheriger Planspiele von Herrn Hillmer und wir waren beeindruckt, wie intensiv und angespannt die Atmosphäre in dem Raum war.

Es war eine wichtige Erfahrung für uns, um das Geschehen damals im Ansatz nachvollziehen zu können. Es ist wichtig, dass nicht in Vergessenheit gerät, unter welchen Bedingungen die Menschen damals leben mussten, wenn sie sich etwas, das das Regime vorgegeben hatte, widersetzt hatten. Wir danken für die Möglichkeit, dass wir jenes hautnah erleben konnten und wir hoffen, dass das DDR-Planspiel auch zukünftig stattfinden kann.

Von Greta Deckert, Emma Schmidt und Lena Pazurek (10b)